50 Zentimeter zu tief: Die Unterführung von Blankenfelde und der teure Streit um eine „kleine“ Stufe

5/10/20263 min read

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die große Infrastrukturprojekte ausbremsen. In Blankenfelde-Mahlow (Landkreis Teltow-Fläming) ist es ausgerechnet ein Höhenunterschied von 50 Zentimetern, der eine fertiggestellte Bahnunterführung für Autos unbrauchbar macht – und einen Konflikt zwischen Gemeinde und Deutscher Bahn (DB InfraGO) befeuert.

Die Posse wirkt wie aus einem Schildbürgerbuch, hat für die Menschen vor Ort aber sehr reale Folgen: Umwege, Zeitverlust, zusätzliche Kosten – und eine Frage, die bei öffentlichen Bauprojekten schnell politisch wird: Wer hat’s verbockt und wer bezahlt’s?

Worum geht es genau?

Im Ortszentrum von Blankenfelde, direkt am Bahnhof, wurde im Zuge des Ausbaus der Dresdner Bahn eine neue Unterführung gebaut. Der Haken: Die Unterführung liegt am Anschluss rund 50 Zentimeter tiefer als die Kreuzung bzw. Straße, an die sie eigentlich anbinden soll bz-berlin.

Für Fußgänger und Radfahrer ist die Querung nutzbar – für den motorisierten Verkehr bleibt sie dagegen gesperrt auto-motor-und-sport.

Auswirkungen: Umwege für Tausende

Weil die Unterführung am Bahnhof für Autos dicht ist, müssen viele Anwohnerinnen und Anwohner, die die Bahntrasse queren wollen, einen Umweg von fast sieben Kilometern in Kauf nehmen rbb24. Für Pendler, Lieferverkehr oder kurzfristige Erledigungen ist das mehr als nur ein Ärgernis – es ist ein täglicher Zeit- und Kostenfaktor.

Der Unmut trifft damit nicht nur „die Bahn“, sondern auch die kommunale Ebene: Denn während die einen den Tunnel verantworten, sind die anderen für die Straße zuständig. Genau an dieser Schnittstelle scheint das Projekt aus dem Tritt geraten zu sein.

Zuständigkeiten: DB InfraGO vs. Gemeinde

Laut Berichten ist die Verantwortlichkeit aufgeteilt:

  • DB InfraGO (Bahntochter) ist für die Unterführung bzw. den Bahntunnel zuständig,

  • die Gemeinde für die angrenzende Kreuzung/Anbindung bz-berlin auto-motor-und-sport.

Der Vorwurf, der daraus entsteht: Man habe aneinander vorbeigeplant bz-berlin. Die DB wiederum erklärte laut rbb24, ihre Planungen hätten mehrfach angepasst werden müssen; man habe auch Lösungen vorgeschlagen, um eine frühzeitige Teilöffnung zu ermöglichen rbb24.

Die Kostenfrage: Millionen für 50 Zentimeter

In der öffentlichen Debatte steht inzwischen eine Summe von rund drei Millionen Euro im Raum – Geld, das nötig wäre, um den fehlenden Anschluss herzustellen entwicklungsstadt.

Besonders pikant: Technisch ist das Problem nicht einfach mit „Rampe dran, fertig“ gelöst. Es geht um Höhenlagen, Kreuzungsgeometrie – und offenbar auch um unterirdische Leitungen, die eine Absenkung oder Umgestaltung erschweren entwicklungsstadt.

Die Gemeinde bereitet laut entwicklungsstadt.de einen Beschluss vor, den Anschluss selbst zu bauen, um die Unterführung spätestens bis Ende 2026 für den Autoverkehr freizubekommen entwicklungsstadt.

Wie kann so etwas passieren?

Dass Projekte an Schnittstellen scheitern, ist leider ein Klassiker: Wenn verschiedene Bauherren/Träger (hier Bahn und Kommune) unterschiedliche Teilbereiche verantworten, braucht es extrem saubere Koordination – gerade bei Höhen, Entwässerung, Zufahrten und dem Bestand im Untergrund.

Die Blankenfelder Unterführung zeigt, wie ein scheinbar „kleiner“ Wert – 50 Zentimeter – im Zusammenspiel von Planungsstand, Zuständigkeiten und Ausführung zu einem Problem werden kann, das am Ende jahrelange Bauzeit und fertige Infrastruktur entwertet.

Einordnung: Ärgerlich – und lehrreich

Witzig ist das nur auf den ersten Blick. Denn für die Menschen vor Ort bedeutet es:

  • längere Wege,

  • zusätzliche Kosten im Alltag,

  • Frust über Behörden und Großprojekte,

  • und ein Vertrauensproblem („Wie kann sowas durchgehen?“).

Gleichzeitig steckt in der Geschichte ein Lehrstück für künftige Infrastrukturvorhaben: Nicht nur die „großen“ Teile (Tunnel, Gleise, Brücken) entscheiden über Erfolg – sondern auch die unscheinbaren Übergänge, an denen Zuständigkeiten wechseln.

Quellen (Auswahl)