đ° Panik, TrĂ€nen, Schlafprobleme â Mobbing-VorwĂŒrfe gegen Berliner SPD-Politikerin
5/7/20263 min read


Die profilierte Berliner Bildungspolitikerin Maja LasiÄ steht unter Druck: Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erheben schwere VorwĂŒrfe. Und das kurz vor der Wahl.
Es gibt Chefinnen, die fordern viel. Und es gibt Chefinnen, bei denen man weinend im Badezimmer sitzt, nachdem man einen Videocall mit ihnen hatte. Maja LasiÄ, SPD-Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus und profilierte Bildungspolitikerin, soll zur zweiten Kategorie gehören â zumindest wenn man den Berichten ihrer ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter glaubt.
Was ehemalige BeschÀftigte berichten
Der Tagesspiegel hat mit drei ehemaligen BeschĂ€ftigten gesprochen, die zwischen einigen Monaten und einem Jahr fĂŒr LasiÄ gearbeitet haben. Ihr Bericht klingt alarmierend:
đ° Panik auf dem Weg zur Arbeit â schon der Gedanke ans BĂŒro löste Angst aus
đą TrĂ€nen nach Videocalls â Meetings mit der Chefin hinterlieĂen Spuren
đŽ Schlafprobleme â kurz nach Beginn der Anstellung
đŹ Micromanaging und stĂ€ndiges Kleinmachen â âMan fĂŒhlt sich dauernd schlecht"
đ Unerreichbare Erwartungen bei gleichzeitig schlechter oder fehlender Einarbeitung
âIch dachte schnell, ich bin im falschen Film", sagte eine der Personen. Alle drei berichteten, dass sie zunehmend an ihren eigenen FĂ€higkeiten zweifelten â obwohl sie intensiv versuchten, besser zu werden. Die harsche Kritik hörte trotzdem nicht auf.
Zwei der drei haben sich nach ihrer Zeit bei LasiÄ komplett aus der politischen SphĂ€re verabschiedet. âIch war geheilt", sagte eine Person.
Was LasiÄ selbst sagt
Die Abgeordnete rĂ€umt ein, dass es Situationen gegeben habe, âin denen ich den richtigen Ton verfehlt habe". Sie habe sich deshalb fĂŒr ein professionelles Coaching entschieden.
In einer Stellungnahme schreibt sie:
âRĂŒckblickend muss ich selbstkritisch feststellen: In meinem Bestreben, alle politischen und organisatorischen Ziele zu erreichen, habe ich die Belastungsgrenzen meiner Mitarbeitenden nicht immer ausreichend im Blick gehabt."
Als ErklĂ€rung â nicht als Entschuldigung â verweist sie auf die strukturellen ZwĂ€nge ihres Amtes: Mit nur 1,5 Stellen fĂŒr BeschĂ€ftigte mĂŒsse sie sowohl die Anforderungen im Parlament als auch die des Wahlkreises stemmen. Dazu noch die Verantwortung als bildungspolitische Sprecherin fĂŒr einen besonders umfangreichen Bereich.
Das klingt nachvollziehbar. Aber die Betroffenen nehmen die Entschuldigung trotzdem nicht an. âDas liest sich sehr falsch. Das ist nicht die Maja LasiÄ, die ich kenne", sagte eine Person.
Noch mehr Ărger: Körperliche Auseinandersetzung mit Parteifreund
Als wĂ€re das nicht genug, schwelt gleichzeitig ein weiterer Konflikt â diesmal innerhalb der eigenen Partei. Kazem Radpasand, Vorsitzender der SPD-Abteilung Panke Kiez, wirft LasiÄ vor, ihn grob am Arm gepackt zu haben.
LasiÄ bestreitet körperliche Gewalt. Sie habe ihn lediglich âunterm Arm genommen", um ihn fĂŒr ein GesprĂ€ch unter vier Augen beiseite zu nehmen. Ihr Anwalt spricht von einem âausschlieĂlich verbalen Konflikt".
Radpasand sieht das anders: Es sei ârichtig schmerzhaft" gewesen, er habe Angst gehabt. Da eine informelle Einigung gescheitert sei â auch weil er sich unter Druck gesetzt fĂŒhlte, die Entschuldigung zu LasiÄs Bedingungen anzunehmen â hat er nun die SPD-Schiedskommission angerufen. Weitere rechtliche Schritte behĂ€lt er sich ausdrĂŒcklich vor.
Schlechtes Timing â kurz vor der Wahl
FĂŒr LasiÄ kommt das alles zur Unzeit. Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus rĂŒckt nĂ€her, und die Politikerin, die immer wieder als mögliche StaatssekretĂ€rin oder Senatorin fĂŒr Bildung gehandelt wurde, steht nun mit einem handfesten Imageproblem da.
Was bleibt
Dieser Fall wirft eine Frage auf, die weit ĂŒber Berlin hinausgeht: Wie gehen wir mit Machtmissbrauch in politischen BĂŒros um? Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Abgeordneten befinden sich in einem besonders schwierigen VerhĂ€ltnis â abhĂ€ngig, oft ohne starke Schutzstrukturen, und mit dem Risiko, dass Beschwerden politisch instrumentalisiert werden.
Dass LasiÄ sich fĂŒr ein Coaching entschieden hat, ist ein Schritt. Ob er reicht â und ob er ehrlich gemeint ist â das werden die nĂ€chsten Wochen zeigen.
Bis dahin gilt: Wer andere fĂŒhren will, muss zuerst lernen, mit Menschen umzugehen.
Quelle: Tagesspiegel, Margarethe Gallersdorfer und Susanne Vieth-Entus, 24. April 2026
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